Es ist ein heißer Freitagnachmittag im Sommer 2026. Im Kiez rund um den Fontaneplatz und im neuen Eiscafé sitzen Familien mit ihren Kindern und schlecken ein Eis. Die Ränder der weißen Sonnenschirme rascheln leicht im Wind, der etwas Abkühlung verschafft. „Mami, da ist Frau Eichhorn!“ ruft ein kleiner Junge. Frau Eichhorn ist die ältere Nachbarin der Familie, die hier gerne hier in das Café geht, in dem Kuchen und Kaffee auch für kleine Preise anboten werden. Die Nachbarn sind hier im Café ins Gespräch gekommen. „Sonst hat man sich ja nur im Hausflur mal gesehen“, sagt die ältere Dame. Der kleine Junge rennt plötzlich quer über den Platz zum neuen Springbrunnen.
„Schön, dass der Platz jetzt so lebendig geworden ist. Vor ein paar Jahren waren hier Müll und Pöbeleien auf der Tagesordnung. Die Jugendlichen hatten ja auch nischt zu tun. Hier gab’s ja nix“, sagt Frau Eichhorn. „Über den Platz bin ich nicht gerne gegangen, nur eben mal zum Einkaufen. Vor ein paar Jahren gab’s hier eine Planungswerkstatt mit den Anwohnern. Das hat die Quartiersmanagerin Frau Hilke da drüben zusammen mit ihrem jungen Kollegen organisiert.“
„Ich war auch da. Wir alle wollten diesen Springbrunnen da drüben. Viele unserer Ideen wurden umgesetzt. Ich glaube, deswegen wird der Platz auch so gut angenommen.“
„Das Büro von den beiden ist da gleich am Platz“, berichtet die Renterin weiter. „Da schaue ich auch ab und an rein und bekomme einen Kaffee angeboten. Die beiden organisieren hier viele Veranstaltungen, auch den wöchentlichen Markt, das macht eher die Frau Hilke, der Herr Quitte ist Sozialarbeiter. Der ist hier immer unterwegs und hat einen guten Draht zu den jungen Leuten. Einige von den Jungs, die hier immer abgehangen haben, hat er sogar zur Planungswerkstatt gelotst. Die hatten gute Ideen und sind auch handwerklich begabt. Der eine hat jetzt zusammen mit dem Quartiersmanagement die Technikreparaturwerkstatt aufgebaut. Da gehen viele Kinder und Jugendliche hin und lernen, wie man Fahrräder wieder zusammenbaut, ’ne Uhr repariert oder wie man ein Loch in der Hose oder im Strumpf stopfen kann. Jeder kann da einen Workshop anbieten, wenn er etwas handwerklich gut kann.“
Das in der kleinen Geschichte entworfene, etwas ideale Bild, beschreibt das Neubaugebiet nach Umsetzung der Maßnahmen im Programm „Sozialer Zusammenhalt“. Ein wesentlicher Bestandteil des Programms ist, neben investiven Bauvorhaben, das Quartiersmanagement. Ein Quartiersmanagement wird immer dann notwendig, wenn sich in einem Wohnquartier die sozialen Problemlagen zu verschärfen drohen.
Im integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) der Stadt Königs Wusterhausen, wird die gesamtstädtische Entwicklung betrachtet. Darin wird die Gefahr der Segregation des Neubaugebiets von der Gesamtstadt hervorgehoben. Das Integrierte Entwicklungskonzept (IEK), welches das Neubaugebiet im Besonderen betrachtet, weist zudem auf Funktionsschwächen bei der Ausstattung mit sozialen und kulturellen Einrichtungen hin. Beispielsweise gäbe es im Neubaugebiet nur wenige kommerzielle Treffpunkte wie ein Eis- oder Familiencafé. Auch Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gibt es kaum.
Vor dem Hintergrund, dass der Anteil der Schüler in der Altersgruppe der 6-14 Jahre im Neubaugebiet steigen wird, besteht im Hinblick auf die Schaffung sozialer und kultureller Einrichtungen und Angebote für Kinder und Jugendliche akuter Handlungsbedarf (IEK 2023). Wie oben dargestellt, kann das Quartiersmanagement im Neubaugebiet eine koordinierende Funktion einnehmen. Beispielsweise um Bürgerbeteiligungen im Rahmen von Bauvorhaben zu organisieren, um soziale Aktivitäten zu befördern und die Eigeninitiative der Bewohner vor Ort zu bestärken.
Derzeit (2022) hat das Neubaugebiet ca. 9.100 Einwohner, davon sind etwas mehr als ein Viertel Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 0 und 18 Jahren. Fast die Hälfte der Einwohnerschaft liegt zwischen 26 und 65 Jahren. Ältere Menschen ab 65 Jahren sind mit circa einen Drittel vertreten.
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